Ich weiß, dass ich nichts weiß

von | 22/06/2020 | Impulse & Tool-Tipps

Vertreibung aus dem Paradies 

Die 4 Stufen der Kompetenzentwicklung

Irgendwie sind wir alle doch ständig dabei, Neues zu lernen. Sowohl wir als Coaches, Trainer, Berater – und ebenso unsere Klienten*innen, Trainings-Teilnehmer*innen, Kunden*innen. Bei Lernprozessen kommt es gerne mal zu einem „Oh mein Gott“-Gefühl… Wir fühlen uns „inkompetent“ und haben keine Ahnung, wie wir diese neue Fähigkeit, Verhaltensweise, Technik oder was auch immer, jemals erlernen sollen.

Für „Oh mein Gott“-Momente geben wir dir gerne ein Stück Wissen aus unserer systemischen Schatztruhe weiter. Es hilft dabei, sich selbst im Lernprozess wohlwollend zu betrachten. Und unsere Klienten*innen kann es motivieren, beharrlich an ihrem Lernthema dran zu bleiben.

Bei den 4 Stufen der Kompetenzentwicklung handelt es sich um ein Lernmodell aus der NLP. Entwickelt wurde es ursprünglich von Noel Burch in der Entwicklungspsychologie und es beschreibt die Entwicklung vom inkompetenten zum kompetenten Individuum (ihr findet es alternativ in der Literatur auch als die 4 Ebenen des Lernens von Gregory Bateson).

copyright Campus am See

1. Stufe: Unbewusste Inkompetenz – Wir wissen nicht, dass wir etwas nicht können.

Wir wissen nicht, dass wir etwas nicht wissen – es ist uns nicht bewusst. Da wir um dieses Nicht-Wissen aber ja nicht wissen, tangiert es uns auch nicht. Beispiel Fahrradfahren: Als ganz kleines Kind kennen wir noch kein Fahrrad – daher wissen wir auch nicht, dass wir nicht Rad fahren können.

2. Stufe: Bewusste Inkompetenz – Uns wird bewusst, dass wir etwas nicht können.

Wir wissen auf dieser Stufe nicht, wie etwas erreicht werden kann, wissen jedoch um dieses Nichtwissen und die Auswirkung davon. Wir wissen was ein Fahrrad ist, haben versucht zu fahren, können es nicht und erkennen, dass wir es (noch) nicht fahren können.

3. Stufe: Bewusste Kompetenz – Wir erleben, dass wir etwas können.

Es ist uns bewusst, dass wir etwas können und wir tun es. Wir wissen und verstehen was wir tun müssen, um ein Ziel zu erreichen. Dafür müssen wir allerdings viel Energie aufwenden, uns konzentrieren und ganz bewusst vorgehen. Wir können Rad fahren, müssen uns aber bewusst darauf konzentrieren, um nicht doch zu stürzen.

4. Stufe: Unbewusste Kompetenz – Wir tun etwas automatisch.

Hier haben wir schon so viel Erfahrungen, dass „es“ uns in Fleisch und Blut übergegangen ist: Ohne Mühe tun wir es quasi automatisch – Flow kann entstehen. Wir überlegen nicht mehr, wie man Rad fährt, wir tun es ganz selbstverständlich und intuitiv und genießen dabei die Landschaft (während wir fast vergessen, dass wir Rad fahren).

Aus den genannten Stufen ergeben sich sowohl Reflexionsmöglichkeiten (wie „Wo stehe ich mit dieser Fähigkeit gerade? Wo komme ich her? Was kommt als nächstes?“) als auch diverse Handlungsoptionen.
Beispielsweise ist auf Stufe 1 erforderlich, dass wir auf unsere nicht vorhandenen Kompetenzen hingewiesen werden, um uns ihrer bewusst zu werden. Nahrhaftes Feedback kann hier also sehr hilfreich sein. Im besten Fall entsteht so die Motivation, etwas Neues zu erlernen, damit wir uns weiter entwickeln können.

Besonders der Übergang von Stufe 2 zu Stufe 3 fühlt sich oft noch wackelig an – die anfangs beschriebene Panik kann sich melden oder auch Frustration. Das ist okay, wir sind halt gerade auf dem Weg zur nächsten Stufe, zum nächsten Kompetenzlevel. Wir verlassen unsere Komfortzone, das darf dann auch einfach mal etwas ruckeln.

Im Radfahrvergleich würde das so aussehen, dass wir eigentlich schon Radfahren können, aber immer, wenn die unterstützende Eltern-Hand nicht mehr im Rücken zu spüren ist, anfangen Schlangenlinien zu fahren. Unsere Campus am See Team-Kollegin Ines Thomas nennt das liebevoll die Stufe 2,5 – eingebildete Inkompetenz.

Prof. Dr. Matthias Varga von Kibéd sagte an einem seiner Aufstellungsabende einmal in diesem Zusammenhang: „Wir hören ja schließlich auch nicht auf, eine Sprache zu lernen, nur weil es Dichter gibt, deren Prosa und Texte so großartig sind, dass sie vielleicht nie wieder erreicht werden.“ Genau. Wir lernen, üben und machen trotzdem weiter.

Deshalb möchten wir dich jetzt gerade, hier und heute dazu ermutigen, weiter zu machen bei deinem aktuellen Lernthema und dich darauf zu freuen, wie es sich anfühlen wird, wenn du auf Stufe 4 angekommen sein wirst. Es spielt keine Rolle, wann das sein wird. Der Weg ist das Ziel. Wichtig ist, dass du weiter eine Stufe nach der anderen erklimmst. Für deinen Weg wünschen wir dir Mut und Leichtigkeit.

Und wenn dir gerade jetzt ein/eine Klient*in in den Sinn kommt, dem/der das Wissen um die 4 Stufen der Kompetenzentwicklung weiterhelfen könnte, dann leite ihm/ihr gerne diesen Artikel weiter.

In diesem Sinne – lasst uns gemeinsam in unseren Systemen Gutes tun!

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