Sind Probleme problematisch?

von | 29/06/2020 | Impulse & Tool-Tipps

Behutsamer Balanceakt 

Vom Problem zur Lösung 

Ein Hauptmerkmal im (systemischen) Coaching ist die konsequente Lösungsfokussierung. Vielleicht logisch, denn Klienten kommen ja zu uns Coaches meistens dann, wenn sie ein Problem gelöst haben möchten.

Viele Klienten kommen erst einmal mit dem absolut nachvollziehbaren Ziel, ihr Problem zu verlieren – das Finden einer Lösung steht dabei erstmal gar nicht auf der Agenda. Wie vielfältig, kreativ und unerwartet Lösungen sein können, überrascht dabei immer wieder aufs Neue. Eine Lösung heißt zum Beispiel nicht immer, dass etwas groß „anders“ sein oder werden muss. Manchmal ist es schon eine passende Lösung, wenn einfach da sein darf, was ist. So ist auch das Würdigen schmerzlicher Gefühle und der wertschätzende Umgang mit ihnen unsere Aufgabe als Coach.

Ein „Problem“ ist selten nur problematisch – in aller Regel wird damit eine (unbewusste) positive Absicht, z.B. das Sichern eines Bedürfnisses, für das System verfolgt. Wir unterscheiden also zwischen dem (Problem-)Verhalten und der zu Grunde liegenden Absicht und somit auch zwischen Handlung und Handelndem. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch von Grund auf gut ist und jede seiner Handlungen von einer positiven Absicht geleitet wird. Manchmal erweist sich das gezeigte Verhalten für die dahinterstehende Absicht allerdings als nicht (mehr) förderlich.

 

 

 

Damit ist es für uns oft ein Balanceakt zwischen dem Anerkennen und dem uneingeschränkten Würdigen des Problemerlebens unserer Coachees und dem behutsamen Angebot, den Aufmerksamkeitsfokus weg vom Problem und hin zur Lösung zu richten.

 

 

 

Mit dem jeweiligen Problem identifizieren sich die Klienten ggf. schon seit langer Zeit, d.h. ihre Energie, ihr Handeln und all ihre Aufmerksamkeit sind, meist darauf ausgerichtet. Doch auch wenn das Problem, bzw. das Anliegen des Coachees, allen Raum bekommt, den es braucht, ist der Klient ja in aller Regel bei uns, weil er eine Lösung für sein Problem möchte.

Wer Lösungen sucht, sollte deshalb auch beginnen, über Lösungen zu sprechen. Schon um das Problem nicht weiter zu stabilisieren, es nicht noch „übermächtiger“ und „präsenter“ erscheinen zu lassen, ist das was Steve de Shazer „Solutiontalk“ nennt, Alltag für uns als Coach. In dem allgegenwärtigen Wissen, dass vermeintliche Probleme ganz schön viel können und wichtig sind für den jeweiligen Menschen und seine Systeme, zeigt die Praxis immer wieder: Kreative Gedanken über das Problem macht sich der Klient von allein.

Wir wollen zu kreativen Gedanken über die Lösung anregen. Die zu Grunde liegende Absicht von Lösungsorientierung besteht daher darin, den Fokus der Aufmerksamkeit behutsam vom Problem zur Lösung zu verschieben. Statt nach den Ursachen des Scheiterns zu suchen, wird der Weg zur Lösung fokussiert.

In diesem Sinne – lasst uns gemeinsam in unseren Systemen Gutes tun!

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#Multiplier for systemic change

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